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01. July 2001 PhilosophieRuhmreiches: Helden in Chan-SenWährend des 2. Weltkrieges setzten sich japanische Piloten in ihre schwerfälligen, weil mit Sprengstoff schwer beladenen Maschinen und stürzten sich auf die Schiffe ihrer Feinde. Sie taten dies natürlich wegen des direkten Schadens wegen, aber auch aus einem wesentlich abstrakteren Grunde - sie glaubten damit den göttlichen Wind, den "Kamikaze" auszulösen, der ihr Land einst vor der Invasion durch die Mongolen bewahrt hatte, indem er die Flotte des Feindes im Sturm verschlang. Die jungen Piloten waren die Helden ihres Landes. Und erst ihr Tod, ihr "grösstes Opfer", machte sie dazu. Zu Helden, zu Vorbildern. Für einen Chan-Senesen macht sie dies in erster Linie zu Idioten. Vielleicht fehlt dem gemeinen Chan-Senesen die notwendige Phantasie. Nichtsdestoweniger macht den chan-senesischen Helden vor allem eine Tatsache aus: Er überlebte den Zeitpunkt, an dem aus ihm ein Held wurde. Ob Kai-Hi Deng, der Verteidiger von Lo Santui oder Li Peng, die während der Besetzung durch Kling neunhundert Zivilisten vor der Hinrichtung bewahrte - Chan-Senesen wollen ihre Helden feiern - und zwar mit ihnen... nicht sie betrauernd, im Rahmen eines feierlichen Begräbnisses. Sicherlich gibt es den einen oder anderen Menschen, der tapfer sein Leben gab um andere Leben zu retten. Dies ist - der Philosophie Chan-Sens entsprechend - jedoch nicht unbedingt heldenhaft sondern eher tragisch. Zu einem echten Helden gehören anschliessende Feiern, Interviews, Biographien und eine TV-Kurzserie, in der das Leben und Wirken des Gerühmten, bis zur Unkenntlichkeit idealisiert und bar jeglicher Details, unterhaltsam dargeboten wird. Das bedeutet jedoch nicht das Chan-Senesen zur Feigheit neigen. Im Gegenteil - es gibt wenige Völker die sich grösserer Tapferkeit rühmen dürfen. Allerdings trägt die Gewissheit im Falle eines vorzeitigen Ablebens NICHT zwingend als Held gerühmt zu werden erheblich dazu bei, dass vor vermeintlichen Heldentaten sowohl Sinn der Aktion als auch die eigenen Überlebenschancen noch einmal genauer betrachtet werden. So würden auch Selbstmordattentäter, eine in Palästinensergebieten unübersehbare Berufsgruppe, in Chan-Sen auf wenig Beachtung stossen - von der verursachten Explosion einmal abgesehen. Erst Recht weil sie, ebenso wie die oben beschriebenen Kamikaze, von einer skrupellosen Gruppe machtgieriger (wahlweise auch überforderter oder ratloser) Oberen instrumentalisiert wurden: Als eine Waffe, die Entschlossenheit demonstrieren sollte. Beruhend auf dem Sprichwort "Am Ende gewinnt immer der Entschlossenere." Allerdings kann ein Toter nicht mehr durch besondere Entschlossenheit glänzen. In diesem Falle gilt die Regel eines längst vergessenen chan-senesischen Generals: "Unsere Feinde glauben nach ihrem Heldentod in eine Art Paradies einzufahren. Wir sind dazu da ihnen eben dabei möglichst schnell zu helfen, nicht etwa es ihnen gleichzutun. Denken Sie immer daran das Ihre Heldentaten gleich doppelt so viel Spass bereiten wenn Sie sie selbst ihren Enkeln erzählen können." (ro)
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© 2001 Rod Andriz [Design, Grafiken, Texte: Veröffentlichung vorbehalten] 360° ist ein Magazin des virtuellen Staates Chan-Sen. |
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